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SCHENGEN:
WITHOUT BORDERS, BUT WITH LIMITS?

BERLIN, 20. FEBRUAR 2016

Eventberichte
– Pressemitteilung von Polis180
– Veranstaltungsbericht von CaféBabel
– Rede von Jürgen Trittin im Wortlaut

Eine Kooperationsveranstaltung mit der
Gemeinnützigen Hertie-Stiftung

Mit Jürgen Trittin, Nicolas Schmit, Elisabeth Kotthaus, Roderick Parkes, Martin Klingst, Jakob Preuss und vielen weiteren Gästen

Schengen

DIE IDEE

Schengen steht für ein Europa ohne Grenzen, für 20 Jahre Freizügigkeit, für einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts. Nach den Ereignissen des letzten Jahres setzen jedoch immer mehr Staaten das Schengen-Abkommen de facto aus. Grenzkontrollen werden wieder eingeführt. Stacheldraht, Tränengas und Mauern gehören erneut zur europäischen Realität.

Ist Schengen, das Symbol der europäischen Integration, bedroht? Erlaubt Schengen nur begrenzt Grenzenlosigkeit? Welche Lösungsansätze gibt es, damit uns ein offenes Europa erhalten bleibt?

Im Rahmen einer halbtägigen Veranstaltung am 20. Februar 2016 ist Polis180 mit seinen Gästen diesen Fragestellungen nachgegangen. Dabei sind wir sowohl auf politische, wirtschaftliche, als auch philosophische Aspekte von Schengen eingegangen.


Lately, the Schengen agreement has come under pressure. As a reaction to mounting refugee flows, European countries have reintroduced border controls – at times including fences, teargas and barb wires.

Is freedom of movement, the symbol of European integration, effectively threatened? Is Schengen capable of defending a Europe without borders? What can we do to preserve an open Europe?

To discuss these issues, the Berlin-based grass roots think tank Polis180 hosted a one-day discussion event on 20 February. Together with politicians, experts and journalists, we shed light on different aspects of Schengen: labour markets, populism, migration flows. All this we did according to a „Schengen-mindset“: with interactive and innovative formats. The event was accompanied by a series of articles which was published on our Polis Blog ahead of the conference.

Schengen, das ist nicht nur ein Abkommen zwischen Staaten, sondern auch das Sinnbild für eine Geisteshaltung – die einer jungen europäischen Generation. Diese Generation ist in einem vereinten Europa aufgewachsen, sie musste sich an die neue Grenzenlosigkeit – zwischen Staaten und in den Köpfen – nicht erst gewöhnen.

Initiativen wie das Erasmus-Programm für Studierende oder das deutsch-französische Fernsehen Arte sind ebenfalls Sinnbilder dieses gemeinsamen grenzüberbrückenden Schengenraums. Oder handelt es sich dabei nur um ein verklärtes Ideal eines gemeinsamen Europas?

Mit dem „Schengen-Mindset“ der Offenheit und Grenzenlosigkeit haben wir uns diesen Fragen zur Idee eines grenzenlosen Europa gewidmet.


Schengen is not only an agreement between states, but also a symbol of European integration. And a symbol for a young, European generation that has grown up in a reunified Europe. This generation did not experience borders in between European States. And has less borders in their minds. Initiatives such as the Erasmus programme for students or the French-German channel Arte are symbols for this common, cross-border Schengen space. Or are we wrong? Is this borderlessness just the illusion of a common Europe?

During this one-day event, we would like to discuss the meaning of Schengen from a political, economic and human perspective. Does Schengen have an impact on our daily lives? And we believe that the „Schengen-mindset“ helped us to openly discuss and debate the subject together.

WORKSHOPERGEBNISSE UND BLOGBEITRÄGE

This workshop focused on analysing the consequences of suspending the Schengen agreement. What would happen if EU internal borders were to be closed? How would this affect industry, the lives of ordinary EU citizens and inhabitants of areas under migratory stress from the refugee crisis? The participants engaged in a lively debate in the format of a world café: Divided into three subgroups, they took turns in discussing the above questions with Nicolas Schmit, the Luxembourgian Minister of Labour, Employment and Social and Solidarity Economy, Kalliopi Kalaitzi, medical researcher and counsellor in the region of Thessaloniki (Greece) as well as Christopher Gosau of the German Association of Chambers of Commerce and Industry.

One group identified the setup of the EU as the deeper root of the situation: On the one hand, the EU appears to adhere to overly technocratic and market-based ideas. On the other hand, business ideas are not heard in the political debate. The result is the current European identity crisis and overall stress on the system. A focus on education, a more inclusive, non-elitist organizational idea as well as new thoughts on a value-based European identity would address the underlying causes of the EU’s crisis.

A second group developed short-term and long-term approaches to the migration crisis. In the short run, EU member states should share the responsibility for border controls, fund a common programme for accommodating refugees and develop common reception standards. With a view to the next few years, EU member states should elaborate on procedures for legal migration but also increase mobility for the EU’s own citizens.

The third group suggested turning what has been a mind experiment so far into a major PR campaign: Why not close the EU’s internal borders for one week for real and accompany the process with extensive reporting. This would serve as a reminder to policy makers and citizens alike how much we have to lose from abandoning Schengen.

Mit Elisabeth Kotthaus, politische Abteilung der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin, mit Martin Klingst, Berlin-Korrespondent der Wochenzeitung “Die Zeit”, und weiteren Gästen.

Im Rahmen einer Blogwerkstatt haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zweiten Workshops haben Schengen aus vier verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Zusammen mit den Expertinnen und Experten beschäftigten sie sich in vier Arbeitsgruppen mit verschiedenen Aspekten von Schengen. Nach kurzen Einführungen der drei ReferentInnen konnten die TeilnehmerInnen sich konstruktiv und produktiv in kleineren Gruppen austauschen.
Die erste Arbeitsgruppe mit Dr. Roderick Parkes des EUISS diskutierte über die sicherheitspolitischen Aspekten Schengens und kam zu dem Schluss, dass europäische Integrations- und Asylpolitik besser koordiniert werden muss, wenn langfristig auch die sicherheitspolitischen Aspekte von Migration zusammen gelöst werden sollen.

Im zweiten Workshop, geleitet von Elisabeth Kotthaus, stellvertretende Leiterin der politischen Abteilung der Vertretung der europäischen Kommission in Berlin, ging es um den europäischen Integrationsprozess im Kontext Schengens. Dort wurde ein neuer „2+4 Vertrag“ aufgesetzt, die die wichtigsten Bereiche für eine gemeinsame Migrationspolitik auf EU-Ebene zusammenfasste.
In der dritten Arbeitsgruppe erarbeiteten die Teilnehmer die Zusammenhänge zwischen Mobilität und Populismus mit Martin Klingst, politischer Korrespondent der Zeit, und schauten sich die jeweiligen Hintergründe des Aufstiegs von populistischen Parteien in Europa an.
Schließlich warf die letzte Arbeitsgruppe einen Blick in die Zukunft und neue Ideen zur Zukunft Schengens in den Raum. Soll Europa noch Grenzen haben? Sind Nationalstaaten in 30 Jahren noch aktuell? Welche Alternativen gibt es zu den jetzigen politischen Strukturen, um globale Herausforderungen gemeinsam anzugehen?

In den verschiedenen Arbeitsgruppen arbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Argumentationslinien heraus, welche als Grundlage für Blogbeiträge des Polis Blogs dienen werden und somit die Ergebnisse langfristig festhalten.

Ziel des Workshops war es, einen Austausch zwischen der wissenschaftlichen, politischen und gelebten Perspektive auf Schengen zu erwirken und gemeinsam über die Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze verschiedener Aspekte des Schengen-Raums zu diskutieren. Mobilität innerhalb von und nach Europa, ein zentrales Thema, wenn es um Schengen und seine Zukunft geht, wird seit ein Paar Jahren weitläufig in politischen, akademischen und aktivistischen Kreisen diskutiert.

Zu selten jedoch treffen diese Kreise aufeinander, sodass Vokabeln, Messwerkzeuge und Problemstellungen dieser Akteure oftmals nicht deckungsgleich sind. Dieser Gedanke hat uns in der Gestaltung des Workshops begleitet. Um diesen so divers wie möglich zu gestalten haben wir also ExpertInnen eingeladen, die mit verschiedenen Ansätzen arbeiten: Laura Tims mit einer Innenpolitischen Perspektive, die Politologinnen Regine Schönenberg und Nina Hall sowohl als auch der Antropologe Paolo Gaibazzi mit einem akademischen Blickwinkel, und der Aktivist Ali Hasan haben ihre Perspektiven im Rahmen von sogenannten Zukunftswerkstätten mit den Teilnehmenden geteilt.

Der Workshop leitete die Teilnehmenden von einer Bestandsaufnahme aktueller Probleme und Herausforderungen über eine Utopie-Phase zur Erarbeitung möglicher Lösungsansätze. Zunächst führte eine Inputpräsentation kurz in die  Geschichte und die Ideen hinter Schengen ein, so dass alle Teilnehmenden mit demselben Wissensstand in die Diskussion starten konnten. Die abschließende Ergebnisdiskussion sollte Handlungsempfehlungen für die Arbeit von ForscherInnen, PolitikerInnen und Thinktanks skizzieren.

Um schon im Vorfeld zu “Schengen – begrenzt grenzenlos?” Ideen zu entwickeln und Denkansätze auszuloten, hat sich Polis180 dazu entschlossen, im Rahmen einer Blogserie in das Thema Schengen einzuführen.

Und weil Schengen ein europäisches Thema ist, arbeitet Polis180 mit dem paneuropäischen Online-Magazin CaféBabel zusammen. Alle Artikel dieser Blogreihe werden sowohl auf dem Polis-Blog als auch auf CaféBabel zu lesen sein – und das in mehreren Sprachen!

  • Artikel 1: Ankündigung von Sophie Pornschlegel (Polis Blog, Café Babel)
  • Artikel 2: “Auf ein Gespräch mit Schengen” von Natalie Welfens (Polis Blog, Café Babel)
  • Artikel 3: “Schengen – a legal puzzle for Europe” von Simon Blätgen (Polis Blog, Café Babel)
  • Artikel 4: “Die neuerlichen Leiden der jungen E. – Warum Schengen nicht scheitern wird” von Christian Freudlsperger (Polis Blog, Café Babel)
  • Artikel 5: “Pokern mit der Grenze – Ein Vabanquespiel ohne Limit” von Lena Rother (Polis Blog, Café Babel)
  • Artikel 6: “From Schengen to Frontex – The new meaning of borders” von Rosella Lombardi (Polis BlogCafé Babel)
  • Artikel 7: “Flüchtlingswelle und Druck zur Einschränkung des Schengen-Abkommens: Ökonomische Aspekte” von Paul J.J. Welfens (Polis Blog)
  • Artikel 8: “Schengen – oder die Zukunft der Vergangenheit” von Ulrike Guérot (Polis Blog)

SCHENGEN, SAGEN SIE JETZT NICHTS!

Wir haben unsere Gäste gebeten, uns ihre Meinung zum derzeitigen Zustand Schengens mitzuteilen. Ohne Worte. Dafür mit großartiger Unterstützung von The Impossible Project!

DAS PROJEKTTEAM

Sophie Pornschlegel1 arbeitet als Juniorberaterin in der Kommunikationsagentur navos-Public Dialogue Consultants. Sie hat an der London School of Economics und Sciences Po Paris Politikwissenschaft studiert, und anschließend erste Arbeitserfahrung in der Berliner Vertretung der Europäischen Kommission gesammelt. Bei Polis180 ist sie Projektleiterin im EU-Programm.

2Sabrina Schärf ist Co-Präsidentin von Polis180. Sie absolviert derzeit den Ausbildungslehrgang zum höheren Dienst beim Auswärtigen Amt. Zuvor war sie Stipendiatin des Mercator-Kollegs für Internationale Aufgaben. Sie hat in Potsdam und Barcelona sowie an der London School of Economics studiert.

3Anne-Marie Kortas ist Gründungsmitglied der Flüchtlingsinitiative Angehört, die AsylbewerberInnen rechtliche Informationen vermittelt. Sie hat einen Master von der Hertie School of Governance und arbeitete am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Anne-Marie lebte und arbeitete mehrere Jahre in Lateinamerika.

 

S4tephan Hoare arbeitet als Juniorberater bei einer Berliner Kommunikationsagentur und beschäftigt sich mit Themen aus den Bereichen International Relations, Corporate Communications und Energie. Stephan hat Politik, Geschichte und Völkerrecht in München, Bergen und Quito studiert. Bei Polis180 verantwortet er die Projektgruppe Klima & Energie.

kassandre-fin-180x180Kassandra Becker studiert European Studies und Internationale Beziehungen in Frankfurt/Oder und Posen (Polen). Sie nahm am Basic Track der School of Design Thinking des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam teil. Nebenbei arbeitet sie bei einer Stiftung im Bereich Internationale Politik. Sie verantwortet im Vorstand von Polis die externe Kommunikation.

sarahSarah Günther ist seit mehr als drei Jahren im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig und arbeitete sowohl redaktionell als auch in einer Unternehmensberatung. Sie studierte vergleichende Politikwissenschaft in Berlin und an der London School of Economics. Zusammen mit Kassandra Becker kümmert sich Sarah um die externe Kommunikation von Polis180.

chri_fin-180x180Christian Freudlsperger hat in München und Paris Politikwissenschaften studiert und promoviert zurzeit an der Hertie School. Praktika brachten ihn nach London und Brüssel. Er ist einer von zwei PräsidentInnen von Polis180 und unter anderem für Website und Blog verantwortlich. Er engagiert sich außerdem im Programm EU, so etwa im Rahmen des Kerneuropaevents.

5Natalie Welfens arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität. Sie ist Kommunikationskoordinatorin des Netzwerks Asylos. Natalie hat in Paris und Berlin Politikwissenschaft studiert, Praktika im Bundesministerium für Bildung und Forschung und im Auswärtigen Amt absolviert. Bei Polis180 leitet sie das Programm „Migration”.

6Lena Rother hat Sozialwissenschaften in Trier und den USA studiert und einen Doppelmaster European Studies in Bath und Berlin absolviert. Durch ihre Mitarbeit bei einer Kinderrechtsorganisation setzte Lena sich zunehmend mit den Themen Migration und Bildungsintegration auseinander. Bei Polis180 ist sie Mitglied des Programms „Migration“.

7Rossella Lombardi hat in Padova ihren Bachelor in Politikwissenschaft absolviert. Ihren Master hat sie an der University of Bath in European Studies gemacht. Dabei hat sie sich insbesondere auf die Migrationspolitik Italiens und der EU konzentriert. Bei Polis180 ist sie Mitglied des Programms „Migration“.

8Simon Blätgen hat an der FU in Berlin und in Paris Jura studiert, mit einem Schwerpunkt auf Europa- und Völkerrecht. Seit 2015 ist er Doktorand in Völkerrecht in einer gemeinsamen Forschergruppe mehrerer Unis aus Berlin und Potsdam. Bei Polis unterstützt er das Team Schengen.

9Sylvia Schmidt hat Europastudien in Berlin, Paris, Magdeburg und Prag studiert. Neben ihrem Studium arbeitet Sylvia bei einem Berliner Institut im Bereich Außen- und Sicherheitspolitik. Sie hat Praktika im Auswärtigen Amt sowie im Bundestag absolviert und war als Journalistin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig. Bei Polis180 ist sie Projektleiterin für EU-Außenpolitik.

10Saskia Kyas ist seit 2010 an der Hertie School of Governance als Referentin für akademische Beziehungen tätig. Vor ihrem Umzug nach Berlin sammelte sie u.a. Berufserfahrung bei einer NGO und im Verlagswesen. Saskia hat einen M.Sc. von der London School of Economics und einen B.A. von der Queen Mary University of London.

11Kevin Müller studiert an der Hertie School of Governance. Nach dem Abschluss seines Bachelorstudiums an der University of London und University of Toronto hat er für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und das Bundestagsbüro von Frank-Walter Steinmeier gearbeitet. Bei Polis180 arbeitet er im Organisationsteam des Schengen-Events.

12Regula Hess war für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie im Non Profit-Bereich tätig. Sie hat einen Master of Public Policy an der Hertie School of Governance und einen Bachelor in Internationalen Beziehungen in Genf und Boston abgeschlossen. Regula ist Vorstandsmitglied von foraus – Forum Außenpolitik, dem Schweizer Vorbild von Polis180.

#OPENEUROPE – WAS BEDEUTET DIR SCHENGEN?

Wir wollten wissen, was Schengen Menschen in unserem Alter bedeutet. Hier sind ihre besten Einsendungen!

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© 2016 Polis180 e.V. | Grassroots-Thinktank für Außen- und Europapolitik

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