WPS-Agenda and Beyond: Feministische Ansätze für Frieden in Zeiten der Militarisierung
Welche Rolle spielt die WPS-Agenda in Zeiten der Militarisierung, und was braucht es aus feministischer Perspektive, damit Frieden mehr bedeutet als die Sicherheit einiger weniger?

Mit der Verabschiedung der UN-Sicherheitsratsresolution 1325 im Jahr 2000 entstand ein zentraler Referenzpunkt für die internationale Friedens- und Sicherheitspolitik in Verbindung mit Geschlechtergerechtigkeit. Die Agenda „Frauen, Frieden und Sicherheit“ (WPS) hat vor allem auf normativer Ebene dazu beigetragen, geschlechtsspezifische Gewalt sichtbarer zu machen und Frauen formal in Friedensprozesse einzubeziehen. Zugleich blieben diese Fortschritte oft oberflächlich. Die Umsetzung ist lückenhaft, Monitoring- und Verantwortlichkeitsmechanismen sind schwach, und bestehende Machtverhältnisse haben sich nur begrenzt verändert.
Mehr als 25 Jahre nach der Verabschiedung stellt sich die Frage dringlicher denn je, ob die Agenda ihrem transformativen Anspruch gerecht geworden ist. Wurde sie entpolitisiert, technokratisiert oder in bestehende sicherheitspolitische Logiken integriert?
Gleichzeitig verschärfen sich globale Krisen: Kriege, autoritäre Verschiebungen und ein organisierter antifeministischer Backlash. Viele Staaten, besonders in Europa, antworten mit Aufrüstung und Abschreckung, während Budgets für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit gekürzt werden. Auch Hilfe selbst wird zunehmend für militärische und geopolitische Zwecke instrumentalisiert. Die liberalen Versprechen des multilateralen Systems verlieren an Tragkraft, und die Begründung von wertegeleiteter Sicherheitspolitik weicht offen interessengeleiteter Politik. Dabei zeigt sich, dass Gewalt nicht nur militärisch, sondern auch als ökonomische und politische Logik wirkt, und dass sich Sicherheit für manche Menschen herstellt, indem sie für andere ausbleibt.
Unter diesen Bedingungen stellt sich die Frage, welche Rolle die WPS-Agenda überhaupt noch spielen kann. Welche unbequemen Wahrheiten müssen wir bei der Bewertung ihrer Wirksamkeit anerkennen, und was braucht es aus feministischer Perspektive, damit Frieden mehr bedeutet als die Sicherheit einiger weniger?
Diese Fragen wollen wir mit Radwa Khaled Ibrahim besprechen. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsschwerpunkt Politikwissenschaft und Politische Soziologie mit dem Schwerpunkt Globaler Süden unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechterverhältnisse an der Goethe-Universität Frankfurt und Referentin für kritische Hilfe bei medico international.
Die Veranstaltung wird vom Programm Gender und Internationale Politik organisiert.
Meldet euch bei Rückfragen gerne bei fabia.vanmelis@polis180.org.
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