#diversityEUnited: Unsere Projekte für Minderheitenrechte in der Ukraine

Diskriminierung von Binnenvertriebenen, das Recht auf Bildung für Rom*nja-Kinder und die Problematik der Abwanderung die Herausforderungen für marginalisierte junge Menschen sind vielfältig. Umso sehr freuen wir uns, dass die Teilnehmenden unserer Workshopreihe “diversityEUnited” kreative Lösungen für diese drängenden Probleme gefunden haben.

Ein Bericht von Nora Pohl

 

Im Anschluss an unsere Workshopreihe „diversityEUnited“, in der marginalisierte junge Menschen aus Deutschland, der Ukraine und Georgien gemeinsam über die Rechte von Minderheiten und das Potenzial von Jugendpartizipation lernten, hatten alle Teilnehmenden die Chance, ein eigenes Projekt zu entwickeln. Dabei war es an ihnen, sich für eine bestehende Problematik in ihrem Umfeld zu entscheiden und sich eine kreative Lösung hierfür zu erarbeiten. Die besten fünf Projektvorschläge wurden mit Preisgeldern in ihrer Umsetzung unterstützt. Drei dieser Projekte stellen wir euch heute vor. 

 

  1. Rechte von Binnenvertriebenen in Irpin/Ukraine

„Als Jurastudentin und Binnenvertriebene aus der Region Luhansk setze ich mich für die Rechte und Freiheiten von Binnenvertriebenen in der Ukraine ein.“

So beschreibt Sofya Demyanenko aus Irpin (Ukraine) ihre persönliche Motivation, ein eigenes Projekt zu entwickeln und umzusetzen. Durch den bewaffneten Konflikt im Osten der Ukraine und die Annexion der Krim im Jahr 2014 wurden bisher rund 1,5 Millionen Menschen zu “Binnenvertriebenen” – sie mussten ihre Heimatorte verlassen und in andere Teile der Ukraine umsiedeln. Acht Jahre später sind diese Binnenvertriebenen und ihre Aufnahmegemeinden (z. B. die Stadt Irpin in der Nähe von Kiew) immer noch mit vielen Problemen in ihrem Alltag konfrontiert. 

Sofyas Projekt “Your Right” trägt zur Stärkung der Rechte und Freiheiten von Binnenvertriebenen in Irpin/Ukraine bei. Um eine effektive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den lokalen Behörden und den Vertreter*innen der Binnenvertriebenen aufzubauen, organisiert das Projektteam einen Runden Tisch. Dort werden gemeinsame Lösungen diskutiert und alle kommen zu Wort und können ihre Perspektiven schildern. Allen wird zugehört! Eine Besonderheit in solch einer schwierigen Situation. Indem das Projektteam Einheimische und Binnenvertriebene an einen Tisch bringt, setzen sie einen Startpunkt, um gemeinsame Lösungen für die Probleme zu finden, mit denen die Aufnahmegesellschaft und die Binnenvertriebenen in ihrem täglichen Leben konfrontiert sind.

 

  1. Mit einem Telegram-Bot die eigene Stadt erkunden

“Ich lebe in Kryvyi Rih (Ukraine) und liebe meine Stadt. Leider kennen die meisten Einwohner*innen die Stadt gar nicht richtig und viele planen, die Stadt zu verlassen – das möchte ich ändern!”

Die Atmosphäre einer Stadt hängt von ihren Bewohner*innen ab – was aber, wenn sich die meisten Einwohner*innen nicht wirklich mit der Stadt identifizieren und sie kaum jemals über ihr eigenes Viertel hinaus erkunden? Kryvyi Rih ist eine der Städte in der Ukraine, in die aufgrund des bewaffneten Konflikts in der Ostukraine und der Annexion der Krim Binnenvertriebene zogen. Weder diese Binnenvertriebenen noch die einheimischen Jugendlichen fühlen sich mit der Stadt, ihrer Geschichte und Kultur besonders verbunden.

Zu diesen Binnenvertriebenen gehört auch Daryna Trifonova, die das Projekt „Stadtspiel“ entwickelte. Das “Stadtspiel” hilft Neuankömmlingen und jungen Menschen aus Kryvyi Rih, ihre Stadt zu erkunden. Das Projektteam hat einen Telegram-Bot erstellt, der die Nutzer*innen einlädt, verschiedene Stadtteile auf interaktive Weise kennenzulernen – durch Rätsel und Challenges. Das Projekt macht neugierig, zeigt interessante, aber wenig bekannte Geschichten von Kryvyi Rih und trägt zu einem Gefühl der Verbundenheit zwischen Einwohner*innen und Besucher*innen bei.

 

  1. Bildung für Rom*nja-Kinder

“Viele Rom*nja-Kinder in der Ukraine erhalten keine ausreichende Bildung und enden in der Arbeitslosigkeit, ohne jegliche Ressourcen. Wir müssen diesen Teufelskreis für unsere Kinder durchbrechen!”

In Zolotonosha (Zentralukraine) leben etwa 1.500 Rom*nja, eine von ihnen ist unsere Teilnehmerin Nelya Kokul. Leider gehen viele der Rom*nja- Kinder nicht zur Schule – manchmal nicht einmal zur Grundschule. Die Gründe dafür sind vielfältig: Viele Eltern haben selbst nie eine gute Bildung erhalten und können ihre Kinder nicht beim Lernen unterstützen. Dazu kommen finanzielle Probleme, Schulmaterialien können sich viele nicht leisten. Viele Rom*nja-Kinder sprechen zudem nur Romanes und können dem Unterricht, der auf Ukrainisch stattfindet, nicht folgen. All dies trägt zu einem Teufelskreis aus mangelnder Bildung. Arbeitslosigkeit und Armut bei. 

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, hat Nelya ihre Initative namens „Time of Knowledge“ gestartet. Sie verfolgt einen dreiteiligen Ansatz: In Grundkursen werden die Kinder an das konzentrierte Lernen gewöhnt. Gleichzeitig kontaktiert sie Lehrkräfte, um diese für die Belange der Rom*nja-Kinder zu sensibilisieren. Dazu kommen Treffen mit Eltern, um mit diesen über die Bedeutung von Bildung sowie insbesondere der Grundschule zu sprechen. Durch diesen Ansatz werden alle Gruppen (Kinder, Lehrkräfte, Eltern) in den Beginn dieser Initiative zur Anhebung des Bildungsniveaus der Rom*nja-Kinder einbezogen. 

 

Wir sind stolz auf alle Projektteams, die ihre Ideen in kürzester Zeit entwickelt und umgesetzt haben. Für die finanzielle Förderung bedanken wir uns bei der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), dem Auswärtigen Amt im Rahmen der Civil Society Cooperation sowie den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung. Das Projekt #diversityEUnited lief vom 01.08.2021 bis zum 31.12.2021 und wurde gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen Ideas for Change (Ukraine) und Bridge of Friendship Kartlosi (Georgien) organisiert. 

#MEETUPforPartnership #YOUTHforPartnership

 

Polis Blog ist eine Plattform, die den Mitgliedern von Polis180 & OpenTTN zur Verfügung steht. Die veröffentlichten Beiträge stellen persönliche Stellungnahmen der AutorInnen dar. Sie geben nicht die Meinung der Blogredaktion oder von Polis180 e.V. wieder.

Bildquelle via Nelya Kokul

 

Nora war Projektleiterin von #diversityEUnited. Sie ist bei Polis180 zudem als Co-Programmleitung im Programm Perspektive Ost aktiv. Sie beschäftigt sich im Rahmen der EU-Nachbarschafts- und Erweiterungspolitik hauptsächlich mit dem westlichen Balkan und den Ländern der Östlichen Partnerschaft. Sie hat ihr Studium der Europastudien an den Universitäten Leipzig und Wien abgeschlossen und interessiert sich besonders für die Rolle von Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen in autoritären Systemen. 

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