Fortuna liebt Europa nicht?! Die Möglichkeit einer düsteren Zukunft unseres alten Kontinents und wie wir sie ändern können

Betrachtet man das Schicksal Europas in Abständen von nur zwei Generationen, so wird klar: Der Alte Kontinent steht regelmäßig Kopf. Hat uns Fortuna nun endgültig verlassen? Momentan sprechen alle Anzeichen für ein düsteres 2051. Wir engagieren uns mit Polis180 dafür, diese Prognose zu widerlegen.

Ein Plädoyer von Ferdinand Issels 

 

Wäre das Schicksal Europas eine Person, wir würden sie als unvorhersehbar, ironisch und grausam erleben

Mittwoch, 18. Januar 1871: Otto von Bismarck gründet das Deutsche Reich und erschüttert das Mächtegleichgewicht auf dem Kontinent. Der Konsens des Wiener Kongresses ist passé. In Europa etabliert sich eine neue Ordnung – aufrechterhalten und fortlaufend unterminiert durch ein dichtes Netz von ständig wechselnden Bündnissen. Wer hätte sich schon damals die Zukunft der nächsten Generationen vorstellen können?

Zwei Generationen – nur 60 Jahre – später stellt der Lauf des Schicksals Europa auf den Kopf: Nationalismus, Kriegseuphorie und eine desaströse Außenpolitik hatten zum Ende der Diplomatie und dem 1. Weltkrieg geführt. Im vernichtend geschlagenen und hart sanktionierten Deutschland strebt der Faschismus in der Wirtschaftskrise taumelnd empor. Wer hätte damals wohl die nächsten Jahrzehnte auch nur annähernd  zutreffend vorhergesagt?

Bis ins Jahr 1991 – weitere 60 Jahre später – hat Fortuna ihre nächsten Volten geschlagen: Nach einem weiteren Weltkrieg endet die bipolare Nachkriegsordnung mit der plötzlichen Implosion der Sowjetunion. Europa verfolgt nun in einer einzigartigen Staatenunion den Weg des Wohlstands und politischer Einigung. Ironie der Geschichte: Deutschland, das in den zwei Weltkriegen die größte Schuld auf sich geladen hatte, wird im Zentrum Europas glücklich geeint.

Die Zukunft ist radikal ungewiss, auch im Hier und Jetzt

Die Zukunft ist radikal ungewiss – diesen Satz sollte man nicht nur rational anerkennen, sondern auch emotional zu begreifen versuchen. Diese Geschichte Europas, die lange Zeit eine Geschichte der Weltkriege, der Vernichtungsfantasien und des Leids war, ist Realität und tatsächlich so passiert. Und wir sollten uns fragen: Wo steht Europa im Jahr 2051, weitere 60 Jahre nach der Zeitenwende von 1991, wenn die Generation unserer Kinder erwachsen sein wird? Welche Rolle werden wir in diesem Zeitraum spielen? Wie wird man auf uns selbst zurückblicken?

Es ist wichtig, dass – Du, ich – wir alle uns solche Fragen stellen und sie diskutieren: Denn nur wer die Unselbstverständlichkeit des Laufes der Geschichte anerkennt, der bekommt ein Bewusstsein dafür, was im Augenblick auf dem Spiel steht. Und wer sich vorzustellen wagt, was in einer weiter entfernten Zukunft möglich sein könnte, der kann daraus den Elan für das eigene Engagement im Hier und Jetzt ziehen.

Europa am 18. Januar 2051 – ein schwarzer Samstag ist wahrscheinlich geworden

Wer Europa heute die Hand liest, der wird eine düstere Zukunft erahnen: Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 befinden sich weite Teile der Union in wirtschaftlicher Stagnation oder schlimmer. Die Überalterung der eigenen und die Zuwanderung aus anderen Gesellschaften stellen die Politik allenthalben vor massive Herausforderungen. Das Ansehen von Politikern und Medien ist auf dem Tiefpunkt. Nie war die Zustimmung zur EU und ihren Zielen niedriger als heute.

Um das Szenario in einem Satz auf die Spitze zu treiben: Europa wird wirtschaftlich immer schwächer, demografisch immer älter und politisch immer euroskeptischer. In einer Zeit, in der eine europäische Antwort auf externe Krisen so notwendig ist wie nie, befindet sich das europäische Projekt im denkbar schlechtesten Zustand. Die bittere Wahrheit ist: Das könnte auch auf absehbare Zeit so bleiben. Machen wir uns nichts vor: Aus der Sicht all derjenigen, die in einer starken EU die Zukunft sehen, ist für den 18. Januar 2051 – das macht dreimal sechzig Jahre nach der deutschen Reichsgründung – ein ernüchternder Blick zurück wahrscheinlicher geworden. Viele von uns werden diesen Tag noch erleben. Er wird ein Samstag sein.

Welche Rolle wollen wir in einer ungewissen Zukunft spielen?

Wie die Personen in dem diesem Beitrag vorangestellten Gemälde von Tadeusz Kuntze (1754) haben wir die Wahl, uns für eine Rolle in der Geschichte unserer Generation zu entscheiden. Die Antwort auf die vorherige Prognose, die düster doch per definitionem möglich ist, kann für mich und viele Andere nur eine sein: Zum politischen Aufbruch blasen und sich entschlossen dafür engagieren, dass alles ganz anders und viel besser kommt (es also wie die Person mit dem Horn links von Fortuna machen). Genau das tut Polis180. Ja, wir sind ein Thinktank, der PolitikerInnen und MeinungsmacherInnen berät und mit unserer Expertise zu politischen Lösungen beitragen will. Ja, wir sind eine Plattform, die ihren Mitgliedern die Möglichkeit gibt, sich mit eigenen Ideen in den politischen Diskurs einzubringen und selbst teilzuhaben. Und ja, wir entwickeln neue Formate, mit denen wir politische Kommunikation aufwirbeln und innovativer machen wollen. Vor allem aber sind wir Teil einer jungen Generation von Menschen, die in eine ungewisse politische Zukunft blicken. Und wir sind im tiefsten Herzen davon überzeugt, dass wir uns dem Schicksal dieser Zukunft – wie düster sie auch immer aussehen mag – keinesfalls geschlagen geben, sondern sie aktiv mitgestalten. Diese Verantwortung leben wir und diese Aufbruchsstimmung spüren wir, wenn wir zusammenkommen. Durch unsere Ideen und unsere Begeisterung motivieren wir jeden Tag mehr Menschen dafür, sich für ihre Vorhaben zu begeistern und einzusetzen. Denn wenn die Zukunft düster ist und keine Besserung in Sicht, dann gibt es nur einen Zeitpunkt, um zur Tat zu schreiten. Jetzt und in diesem Moment.

 

Das Polis Blog ist eine Plattform, die den Mitgliedern von Polis180 zur Verfügung steht. Die veröffentlichten Beiträge stellen persönliche Stellungnahmen der AutorInnen dar. Sie geben nicht die Meinung der Blogredaktion oder von Polis180 e.V. wieder. Bildquelle: http://bit.ly/1SjebgJ.

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Ferdinand Issels

Ferdinand Issels hat im deutsch-französischen Masterprogramm der SciencesPo Paris und der FU Berlin Politikwissenschaften studiert. Nach einer Tätigkeit als Pressereferent in einem Bundestagsbüro arbeitet er heute im Bereich Online-Kommunikation für einen deutschen Industrieverband.
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