Polis180-Wahldebatte: Wie sich die Parteien zu Sex & Gender positionieren

Fotos: Frieder Unselt

Ein Bericht von Anita Carstensen und Sonja Schiffers

Während in der aktuellen Legislaturperiode manache Fortschritte bezüglich der Gleichstellung der Geschlechter gemacht wurden und andere ausblieben, werden rechtsnationale Kräfte lauter und setzen sich gegen Gleichstellung und vielfältige Lebensentwürfe ein. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl brachte Polis180 in Kooperation mit der Berliner Landeszentrale für politische Bildung daher junge Politikerinnen zusammen und diskutierte mit ihnen, welche konkreten Vorschläge sie für eine gleichberechtigte und gerechte Teilhabe aller an der Gesellschaft haben.

Unsere Expertinnen und das Format

Angefragt waren VertreterInnen der Jugendorganisationen aller im Berliner Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien. Folgende junge Politikerinnen haben an der Veranstaltung teilgenommen und ihre Ideen mit uns diskutiert:

  • Daniela Schulz-Gast, stellv. Kreisvorsitzende Frauen Union der CDU Berlin Mitte
  • Delara Burkhardt, stellv. Bundesvorsitzende der Jusos
  • Ria Schröder, stellv. Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen e.V. (JuLis)
  • Ricarda Lang, Beisitzerin des Bundesvorstand GRÜNE JUGEND

Nach kurzen Eingangsstatements hatten die rund 30 TeilnehmerInnen die Möglichkeit, in interaktiven Diskussionsrunden direkt mit den NachwuchspolitikerInnen zu debattieren. So nahmen die TeilnehmerInnen in kleinen Gruppen an Tischen Platz, während die Politikerinnen von Tisch zu Tisch wechselten, um sich je 10 Minuten den Fragen der TeilnehmerInnen zu stellen.

Einigkeit, dass mehr passieren muss

Alle Vertreterinnen der anwesenden Parteien forderten mehr politische Aufmerksamkeit für Gleichstellungsthemen– auch nach der Wahl. Daniela Schulz-Gast positionierte sich zwiespältig im Hinblick auf die Frauenquote und forderte mehr Arbeit zur Schließung der geschlechtsspezifischen Lohnlücke. Herausforderungen bezüglich wirtschaftlicher Teilhabe bekräftigte auch Delara Burkhardt, die in dem Zusammenhang auch auf einen kürzlich veröffentlichen Social Media-Beitrag der Jusos hinwies, der eine frisch gelieferte Pizza zeigte, von der 21% fehlen – so viel beträgt der Gender Pay Gap. Die Debatte um das Video zeigte laut Delara, dass viele Menschen nur den bereinigten Gender Pay Gap, der Ursachen der Verdienstunterschiede berücksichtigt und somit deutlicher niedriger liegt, als Problem anerkennen. Ricarda Lang wies auf das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung in einer offenen Gesellschaft hin und betonte Herausforderungen durch gestärkte antiliberale Kräfte. „Armut ist weiblich“, kritisierte sie außerdem und wies vor allem auf Altersarmut und die Lebensbedingungen von Alleinerziehenden hin, die Frauen in weitaus größerem Maße betreffen. Auch Ria Schröder betonte die gesellschaftlichen Herausforderungen zur Gleichstellung und nannte insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wichtiges Thema, bei dem sich auch Männer bewegen müssten. Sie vertrat zudem die Position, dass man den Gender Pay Gap von der Bildungsseite her angehen müsse.

Gleichstellung, aber wie? Der Teufel steckt im Detail

Besonders beim Thema Lohnlücke sowie bei der Frauenquote wurde deutlich, dass die Parteien sehr unterschiedliche Ansätze haben, wenn auch alle anwesenden Vertreterinnen, sicherlich auch aufgrund persönlicher Gemeinsamkeiten als junge, gebildete Frauen am Anfang ihrer Karriere, ähnliche Themen bewegten. Während die einen mehr Regulierung (beispielsweise Lohntransparenz oder stärkere Quoten) fordern, sehen die anderen die Verantwortung eher bei den Frauen, die mehr von ihren ArbeitgeberInnen einfordern müssen. Auch innerhalb der Parteien wurden und werden diese Themen natürlich kontrovers diskutiert. Dennoch kommt am Ende jeweils eine Parteiposition dabei heraus – also informiert euch gut, wofür die Partei steht, bei der ihr am 24. September euer Kreuzchen macht.


Die Veranstaltung war Teil unserer Kampagne „Demokratie braucht Dich“, in der sich Polis180 gerade mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 für verstärkte politische Teilhabe und politisches Engagement junger Menschen einsetzt.

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