Dieser Blogbeitrag ist ein Veranstaltungsbericht und Teil der Veranstaltungsserie „Polis kocht! – Außen- und Europapolitik geht durch den Magen“, die von Polis180 mit Unterstützung der Berliner Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt wird.
Russland und China haben ihren Einfluss auf dem Westbalkan in den vergangenen Jahren zunehmend ausgebaut, sei es durch wirtschaftliche Investitionen, mediale Narrative oder die politische Unterstützung nationalistischer und antiwestlicher Kräfte. Gleichzeitig stehen demokratische Institutionen, unabhängige Medien und zivilgesellschaftliche Akteure in vielen Ländern der Region unter erheblichem Druck. Rechtsstaatlichkeit, Medienfreiheit und Menschenrechte bleiben zentrale Herausforderungen im EU-Beitrittsprozess.

Polis kocht: Gemeinsam diskutierten die Teilnehmenden mit Valeska Esch. Bild: Polis180
Am 8. Oktober 2026 widmete sich die „Polis kocht!“-Reihe deshalb der Frage, wie geopolitische Einflussnahme, zivilgesellschaftliches Engagement und europäische Integration auf dem Westbalkan zusammenhängen und wie Deutschland und die EU die Region strategisch begleiten können, um langfristig Stabilität, gesellschaftliche Resilienz und die EU-Integration zu stärken.
Zu Gast war Valeska Esch, Gastwissenschaftlerin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und Non-Resident Fellow im Europacenter des Atlantic Council. Von 2022 bis 2025 war sie Büroleiterin und Persönliche Referentin des Sondergesandten der Bundesregierung für die Länder des Westlichen Balkans im Auswärtigen Amt. Zuvor arbeitete sie beim Aspen Institute Deutschland, unter anderem als stellvertretende Direktorin und Programmleiterin des Europaprogramms. Ihr Forschungsinteresse gilt den Ländern des westlichen Balkans und der EU-Erweiterungspolitik.

Nach einer kurzen Einführung durch Julius & Lara begann Valeska Esch mit einer Klarstellung: Der Westbalkan ist keine Region im klassischen Sinne, sondern ein politischer Begriff, der im Kontext der EU-Erweiterungspolitik entstanden ist und Länder mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen, Geschichten und Beitrittsperspektiven zusammenfasst. Dazu zählen Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Anschließend gab sie einen Abriss zu jedem einzelnen Land der Region und ordnete die jeweiligen aktuellen Entwicklungen ein. In Bosnien und Herzegowina fanden bspw. nur wenige Tage vor der Veranstaltung Wahlen statt.
Danach ging es an den Herd: Gemeinsam mit Valeska Esch kochten die Teilnehmenden eine bosnische Bohnensuppe. Dabei ergaben sich schon die ersten informellen Gespräche, die sich in der anschließenden Fragerunde fortsetzten.
In der offenen Diskussion zeigte sich das große Interesse der Teilnehmenden. Ein Schwerpunkt war der Vergleich der Proteste in Albanien und Serbien: Was sind die Ursachen, wie unterscheiden sich die Dynamiken, und welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft? Darüber hinaus drehten sich die Fragen um die Wahlen in Serbien, um Moldau als weiteren Beitrittskandidaten im Blick der EU und um die Frage, warum Montenegro im EU-Erweiterungsprozess so weit fortgeschritten ist und als Vorreiter der Region gilt.
Es war ein spannender Abend, der einen guten Überblick über die Region verschaffte. Jedes der Länder hätte allein einen eigenen Abend füllen können, doch gerade der Blick auf alle Länder zugleich machte Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar und zeigte, wie unterschiedlich die Ausgangslagen auf dem Weg in die EU sind.

Organisator*innen
Julius-Anton Bussenius
Lara Franken
Celine Cojocar
Moritz Pohl
Yunus Güllu