Schulworkshops

Stimmen junger Menschen zur Migrations- und Klimapolitik


Weil unsere Stimme zählt!

Schüler*innen entwickeln Forderungen in mehr als 30 Schulworkshops

Die Politisierung und Beteiligung junger Menschen an der Politik ist eine zentrale Aufgabe einer funktionierenden Demokratie. Im Projekt Politisch? Korrekt! richtete sich deshalb ein Teilprojekt mit Schulworkshops an die Zielgruppe der 16-21 Jährigen. Das übergeordnete Ziel der Schulworkshops war es auf spielerische und interaktive Art, einerseits junge Menschen zum Reflektieren von politischen Themen anzuregen. Andererseits sollte ihnen ermöglicht werden, sich weitergehend in politische Diskurse einzubringen, indem sie eigene Forderungen an die Politik formulieren und diese diskutieren konnten. Insbesondere die Themen Migration und Klima sind für junge Menschen laut der Shell-Jugendstudie 2019 von besonderer Bedeutung und bildeten die Inhalte der Workshops. Zwischen Ende Juni bis zur Bundestagswahl am 26. September 2021 erarbeiteten über 650 Schüler*innen ab 16 Jahren aus 34 Schulworkshops in acht Bundesländern ein breites Spektrum an politischen Forderungen zu Klima- und Migrationspolitik.

Übersicht über die Workshops

Zwischen Ende Juni bis zur Bundestagswahl am 26. September 2021 erarbeiteten rund 656 Schüler*innen ab 16 Jahren aus 34 Schulworkshops in acht Bundesländern ein breites Spektrum an politischen Forderungen. Dies war nur mit dem großen Engagement der ehrenamtlichen Teamer*innen möglich, die die Workshops nach dem Peer-Ansatz an den elf Schulen durchführten. Die häufigsten fünf Forderungen jedes Themas wurden auf Postkarten visualisiert. Die Postkarten ermöglichen die weiterführende Beteiligung der Schüler*innen und Schulklassen am politischen Diskurs, indem sie diese an für sie interessante politische Entscheidungsträger*innen versenden. 

Neben der am meisten erreichten Schulform im Projekt, der Berufsschule, fanden Workshops an Gesamtschulen, Gymnasien, Stadtteil- und Wirtschaftsschulen statt. Dadurch spiegeln die erarbeiteten Forderungen die Wünsche einer sehr heterogenen Schüler*innenschaft wider. Sowohl in Bezug auf Lebensrealitäten als auch in Bezug auf die Erfahrung mit der Beteiligung an politischen Diskursen. Dabei erarbeiteten rund 239 Schüler*innen die Forderungen zur Migrationspolitik und rund 417 Schüler*innen die Forderungen zur Klimapolitik.

Workshop Klimagerechtigkeit (90 oder 180 minütig)

Ziel des Workshops ist es, ein Verständnis für das Thema Klimagerechtigkeit und Klimapolitik zu schaffen.

Wie viel CO2 verbrauche ich eigentlich? Und was hat der durchschnittliche CO2-Verbrauch mit Ruanda, Brasilien oder Malaysia zu tun? In diesem Workshop nähern sich die Schüler*innen auf spielerische Art den Fragen globaler Klimagerechtigkeit. Zum Beispiel ermitteln die Schüler*innen selbst den ökologischen Fußabdrucks fiktiver Beispielfiguren (Personas) und diskutieren die Ergebnisse. Dadurch bekommen sie einen Eindruck über die geographisch ungleichen Verteilung des CO2-Verbrauchs und der globalen Auswirkungen des Klimawandels. Daraufhin lernen sie Aspekte der Klimapolitik kennen und können sich zu klimapolitischen Aussagen positionieren und ihre eigenen Haltungen diskutieren. Abschließend formulieren sie eigene Forderungen an die Klimapolitik. Bei dem 180 minütigen Workshop gibt es mehr Zeit für Diskussion und die Entwicklung von Forderungen, beispielsweise indem die Schüler*innen in Bürgerinitiativen Forderungen entwickeln und diese vor dem Parlament (Klasse) vorstellen und diskutieren oder Schüler*innen sich zu klimapolitischen Positionen aus Parteiprogrammen positionieren, diese diskutieren und erst im Anschluss aufgedeckt wird, welche Position zu welcher Partei gehört. 

Workshop Migration (90 oder 180 minütig)

Auf der ganzen Welt verlassen jedes Jahr Hunderttausende das Land, in dem sie geboren wurden, um sich irgendwo anders ein neues Leben aufzubauen. Manchmal passiert das freiwillig, zum Beispiel, wenn jemand zum Studium von Frankreich nach Italien zieht. Und manchmal wandern Menschen unfreiwillig aus, weil in ihrem Land zum Beispiel Krieg herrscht. Der Workshop bietet einen ersten Einstieg in das Thema (globale) Migration, Mittels interaktiven Methoden wie Mentimeter und anhand von Videos von Personen, die aufgrund ihres Herkunftslandes unterschiedliche Erfahrungen mit Migrationspolitik gemacht haben, gehen die Schüler*innen der Frage nach: Welche Erfahrungen machen Personen im Kontext von Migration? Und was haben diese Erfahrungen mit Migrationspolitik zu tun? Im Plenum werden Eindrücke diskutiert und eingeordnet. Dies soll die Möglichkeit bieten, sich Gedanken über Wünsche oder Forderungen an die Bundesregierung zu machen. Aufgrund der Sensibilität des Themas und möglicher eigener Erfahrungen, haben die Schüler*innen während des Workshops jederzeit die Möglichkeit sich aus dem Workshop zurückzuziehen und sich bei Teamer*innen zu melden. Zugleich haben Schüler*innen mit eigenen Migrationserfahrungen die Möglichkeit freiwillig eigene Erfahrungen in Gespräche einzubringen.

Forderungs-Postkarten


Impressionen


Weitere Erfahrungsberichte von Teamer*innen


“Gerade die Berichterstattung über FFF hat Jugendliche stark in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt ohne oftmals wirklich mit ihnen in Kontakt zu treten. Diesen Kontakt fand ich absolut notwendig um überhaupt einen Abgleich zu haben. Mir hat es v.a. bestätigt wie heterogen die Altersgruppe “Oberstufe” ist (was ja manchmal gerne vergessen wird). Mir hat es aber auch gezeigt, dass gerade soziale Gerechtigkeit ein Thema ist, das vielen am Herzen liegt und dass bestimmte Themen wie Klima im Vergleich zu meiner Schulzeit noch präsenter sind. Auch wenn das wirtschaftlich Liberale mindset dieser Altersgruppe gerade nach den Wahlen oft diskutiert wurde hat sich bei bei den meisten Fragen die überwiegende Mehrheit auf die Seite von Regulierung der freien Wirtschaft zu Gunsten der KonsumentInnen gestellt sowie eine Kombi aus individuellem Engagement und systemischen Rahmenbedingungen als Lösungsansatz für die Klimakrise gewählt. Gerade letzteres habe ich als interessanten Input im Rahmen der Workshops wahrgenommen, der bei den SchülerInnen die meisten Aha Momente ausgelöst hat. Mir hat der Kontakt super viel gegeben. Ich habe zum einen Vertrauen geschöpft dass wir das zusammen schon irgendwie meistern, weil das Problemverständnis da ist und vor allem mit Informationen gefüttert werden will. Auf Social Media […] [tummeln sich Leute], die […] sich diesen Raum auch nehmen. Da einen reality check zu haben, hat mir gewissermaßen das Vertrauen in die zwischenmenschliche Kommunikation in Gruppen und in politische Bildung im Allgemeinen wiedergegeben.” 

Anja, Teamerin in Osnabrück und Hamburg und Teil des Teams der Workshop-Konzeption


“Die Schulworkshops haben mir gezeigt, wie unglaublich interessiert und engagiert Schülerinnen und Schüler sind, wenn es um Klimafragen geht. Das hat mich bestärkt, mich weiter dafür einzusetzen, dass die Stimmen junger Menschen aktiv in politische Prozesse einbezogen werden.” 

Larissa, Teamerin Berlin


“Ich bin zu den Workshops gekommen, weil ich die beiden Themen und die Konzepte sehr spannend fand – mit Quiz und viel Raum für Diskussion. Das hat mir dann auch am besten gefallen: Dass die Schüler*innen ihre eigene Meinung, ihre Ideen einbringen konnten. Manchmal auch spürbar Frust abgelassen haben, weil ihre Stimme (noch) nicht zählt. Ich denke, dass sie so besonders über ihre Mitschüler*innen etwas dazugelernt haben, was sie vorher vielleicht noch nicht wussten. Mein Eindruck war, dass sich viele gerne mehr politisch beteiligen möchten, aber nicht wissen wie. Da könnte man beim nächsten Mal ansetzen, z.B. indem man Kontakt mit engagierten Schüler*innen vor Ort herstellt.” 

Luisa, Teamerin in Osnabrück und Düsseldorf und Teil des Teams der Workshop-Konzeption


“Mich haben die Schüler:innen optimistisch in die Zukunft blicken lassen, weil sich sowohl bei den Workshops in Hamburg als auch in Berlin gezeigt hat, dass sich politisierte Jugendliche unterschiedliche Wissensstände in den Klassenräumen befinden und es im Gegensatz zu meiner Schulzeit anscheinend nicht mehr die Regel ist, politisch Desinteressiert zu sein. Im Gegenteil! In den Workshops wurde zum Teil hitzig untereinander mit Respekt diskutiert, neues klimapolitisches Wissen interessiert aufgenommen und Forderungen an Politiker:innen aufgestellt. Dadurch hat mir persönlich die Workshopleitungsrolle sehr viel Spaß gemacht und mich inspiriert, auch in Zukunft Projekte anzugehen, bei denen ich bei Schüler:innen ohne Vorwissen ein kleines politisches Flämmchen entzünden und bei bereits glühenden Schüler:innen deren Flamme noch weiter fördern kann.” 

Marcel, Teamer in Hamburg und Berlin