Policy Kitchen: Klima

Workshop vom 31. Mai 2021

2020 sollte ein Schlüsseljahr für die Wirksamkeit des Pariser Klimaabkommens werden. Die Pandemie brachte die internationale Klimapolitik jedoch ins Stocken. Mit der Bundestagswahl 2021 hat Deutschland die Chance, neue Dynamiken mitzugestalten und weltweit Ambitionen für mehr Klimaschutz zu stärken. Viele Herausforderungen stehen bevor: die EU will bis 2050 klimaneutral werden, Deutschland hat seine Klimaziele im letzten Jahr aber nur aufgrund des Lockdowns erreicht. Die Länder des Globalen Südens fordern verstärkt, dass mehr Gelder für Klimaanpassung ausgegeben und auch die Folgen der Pandemie berücksichtigt werden. Die USA ist offiziell wieder Mitglied des Klimaabkommens – von ihnen sowie von China und der EU werden die wichtigsten Impulse bei der COP26 in Glasgow erwartet. In der Policy Kitchen haben junge Menschen neue Impulse für die Klimapolitik entwickelt.

In dem innovativen Workshopformat haben sich junge Teilnehmer*innen in vier Breakout-Session mit der Klima- und Energiepolitik in Deutschland, Europa und weltweit auseinandergesetzt und Handlungsempfehlungen für die neue Bundesregierung erarbeitet. Dabei konnten sie die Lösungsideen mit Expert*innen diskutiert.

Keynotespeaker:  Dr. Michael Jakob, Fellow am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change

Die Lösungsideen wurden anschließend in der Publikation “Fokus Klima” veröffentlicht.


Breakout-Sessions

Klimawandelfolgen im Globalen Süden: Deutschlands Verantwortung für mehr Klimagerechtigkeit

Die Klimakrise trifft schon jetzt die Länder im Globalen Süden und die ärmsten Bevölkerungsgruppen besonders hart. Die ökonomisch und geographisch benachteiligten Länder des Globalen Südens haben jedoch am wenigsten zur Klimakrise beigetragen und verfügen über wenig Ressourcen, um sich an die Folgen anzupassen oder Resilienz aufzubauen. Klimagerechtigkeit bedeutet deshalb, dass unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips diese ungleiche Verteilung von Klimawandelfolgen ausgeglichen wird und Industriestaaten wie Deutschland eine besondere Verantwortung übernehmen. Eine resiliente Klima- und Außenpolitik der neuen Bundesregierung muss hier neue konzeptionelle und finanzielle Impulse setzen und Kooperationen aufbauen.

Gender mitdenken, Klimakrise bekämpfen

Die Klimakrise ist die globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts, für die die Politik heute effektive Lösungen finden muss. Lange wurde der Klimawandel dabei geschlechtsneutral behandelt und in der Klimapolitik nicht alle gesellschaftlichen Perspektiven mitgedacht. Um die Klimapolitik der Bundesregierung in der nächsten Legislaturperiode und darüber hinaus resilienter zu machen, gilt es, eine Gender-Perspektive bei klimapolitischen Maßnahmen und Entscheidungen anzuwenden. Dies beinhaltet die unterschiedlichen Auswirkungen von Klimawandel auf Frauen und nicht-binäre Menschen und stellt Fragen wie:

  • Wie sind Frauen wirtschaftlich und sozial stärker von Dürren, Fluten oder ähnlichen durch den Klimawandel bedingten Katastrophen betroffen und wie kann die Bundesregierung diese Dimension mitdenken?
  • Wie werden gesellschaftliche Ungleichheiten und Diskriminierungen durch klimabedingte Extremsituationen vertieft, z.B. durch Ressourcenknappheit ausgelöste Konflikte oder verstärkte Armut durch wirtschaftliche Instabilität?
  • Welche Strukturen haben Frauen auf lokaler, nationaler oder globaler Ebene bereits geschaffen, um gegenderten Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken? Wie kann die Bundesregierung diese Strukturen unterstützen?
  • Wie können internationale Formate wie die jährliche COP neu gedacht werden, um die Perspektiven aller gesellschaftlicher Gruppen einzubeziehen?

Towards a Transatlantic Climate Partnership: Wie Deutschland die transatlantischen Beziehungen für eine resiliente Klima- und Energiepolitik gestalten sollte

Die Ankündigung der neuen U.S. Regierung unter Joe Biden die transatlantischen Beziehungen zu erneuern, ermöglicht eine verstärkte Zusammenarbeit mit Deutschland im Bereich der Klima- und Energiepolitik. Welcher Bedeutung sollte einer transatlantischen Klimapartnerschaft im Kampf gegen den globalen Klimawandel dabei zukommen?

Mit welchen Forderungen und Zugeständnissen sollte die zukünftige Bundesregierung, nach den Wahlen im September 2021, auf ihr US-amerikanisches Pendant zugehen? Welche Handlungsoptionen besitzen Deutschland und die USA bei der Ausformulierung von Klima-Initiativen auf multilateraler Ebene? Dabei könnten eine Reihe von Faktoren entscheidend sein und das transatlantische Kooperationspotenzial beeinflussen: Die Streitigkeiten um den Weiterbau der Nordstream 2 Gaspipeline, die zunehmende Abhängigkeit von US-Energieimporten sowie (geo-)politische Machtverschiebungen.

Entwicklungen zu einer emissionsarmen Gesellschaft und die Auswirkungen auf die deutsche Energieabhängigkeit

Nicht erst im Jahr 2020 gab es eine große politische Debatte um den Ausbau der Nord Stream 2-Pipeline. Der EU-interne Konflikt übertrug sich dabei zunehmend auch auf die internationale Ebene, wie beispielsweise in Auseinandersetzungen mit der US-Regierung. Der Ausbau hatte dabei zum Ziel, die Energieversorgung der EU zu diversifizieren und deren Energieunabhängigkeit zu steigern.

Häufig vernachlässigt wird dabei, dass bereits im Zeitraum des Baus von Nord Stream 2 eine Energiewende begonnen hat und eine Diversifizierung der deutschen Energieversorgung stattfand. Diese Tendenz wurde durch technologische Innovationen sowie als Reaktion auf den Klimawandel vorangetrieben. Besonders Letzterer erfordert einen Umbau hin zu einer umweltfreundlichen Energieversorgung und -produktion, da diese einen Großteil der Emissionen erzeugt.

Wie kann der Ausbau nachhaltiger Technologien wie Photovoltaik und Windkraft diese Abhängigkeit senken? Und wie könnte Deutschland durch eine größere Unabhängigkeit seine Resilienz vor internationalen Krisen steigern?