Fünf MigrantInnen erzählen bei Polis ihre ganz persönliche Geschichte und zeigen darin die Vielfalt individueller Migrationserfahrungen auf.

In der aktuellen Debatte um Migrations- und Flüchtlingspolitik werden eine ganze Reihe von Begriffen und Kategorien verwendet. Begrifflichkeiten wie MigrantInnen, Asylsuchende, Flüchtlinge, Wirtschaftsflüchtlinge, Expats und Menschen mit Migrationshintergrund tummeln sich in der aktuellen politischen und medialen Debatte. MigrantInnen gelten je nach Kategorie und Diskurs als hoch- oder geringqualifiziert, regulär, irregulär, temporär, illegal oder illegalisiert. Doch oftmals werden diese Labels der Komplexität von Migrationserfahrungen nicht gerecht, produzieren und reproduzieren Stereotype, kreieren einen künstlichen Unterschied zwischen ‚guter’ und ‚schlechter’ Migration.

Nach den Erfolgen in Zürich und Genf kam das Storytelling-Format ‚Wahre Geschichten Spezial: Neuland’ am 20. Januar 2016 nach Berlin: Fünf Menschen erzählten dabei vor Publikum und ohne Hilfsmittel von ihren Migrationserfahrungen, denen keine der in Politik und Medien so oft verwendeten Kategorien so ganz gerecht werden konnte. Da ist zum Beispiel Hong aus Dänemark mit vietnamesischen Wurzeln, die immer wieder gefragt wird, wo sie denn wirklich her sei; Ali, der auf seiner Flucht aus Syrien eine Vielfalt von Migrationserfahrungen gemacht hat und Natalya, deren Eltern als Kontingentflüchtlinge von Kiev nach Nürnberg kamen. Allen gemein ist vielleicht, dass sie Migration als Chance begreifen und ein Stück weit als Normalität erleben.

Ziel dieses Storytelling-Events war es, Menschen eine Plattform für ihre individuellen Migrationsgeschichten zu bieten und somit Vielfalt und Komplexität ihrer Erfahrungen sichtbar zu machen. Mit ihren Geschichten wird Migration als Phänomen greifbar und normalisiert sie in Zeiten einer sonst oft emotionalisierten Debatte.

Die Veranstaltung lieferte damit wichtige Impulse für die politische und wissenschaftliche Debatte über Migration. Sowohl der wissenschaftliche als auch der politische Diskurs kategorisiert MigrantInnen entlang verschiedener Achsen: Nationalität, Alter, Geschlecht, Migrationsgrund oder ökonomischem Nutzen. Dies geschieht meist mit der Absicht, eine zielgruppenspezifische Politik zu entwickeln oder die spezifische Situation bestimmter MigrantInnen-Gruppen zu erforschen. Dies ignoriert jedoch häufig die Verquickung verschiedener Gruppenzugehörigkeiten, z.B. von Nationalität und Geschlecht, und wird somit ebenso wie die Begrifflichkeiten des öffentlichen Diskurses komplexen Migrationsgeschichten und sich daraus ergebenden Identitäten nicht gerecht. Das Storytelling liefert somit auch einen wichtigen Impuls für Politik und Forschung, der Diversität verschiedener Migrationserfahrungen besser Rechnung zu tragen.

Das Event wurde von Polis180 e.V. in Zusammenarbeit mit Wahre Geschichten, foraus, SINGA Deutschland und dem Impact Hub Berlin organisiert.

PROJEKTLEITERINNEN

5

Natalie Welfens arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität. Sie ist Kommunikationskoordinatorin des Netzwerks Asylos. Natalie hat in Paris und Berlin Politikwissenschaft studiert, Praktika im Bundesministerium für Bildung und Forschung und im Auswärtigen Amt absolviert. Bei Polis180 leitet sie das Programm „Migration”.

6

Lena Rother hat Sozialwissenschaften in Trier und den USA studiert und einen Doppelmaster European Studies in Bath und Berlin absolviert. Durch ihre Mitarbeit bei einer Kinderrechtsorganisation setzte Lena sich zunehmend mit den Themen Migration und Bildungsintegration auseinander. Bei Polis180 ist sie Mitglied des Programms „Migration“.

7

Rossella Lombardi hat in Padova ihren Bachelor in Politikwissenschaft absolviert. Ihren Master hat sie an der University of Bath in European Studies gemacht. Dabei hat sie sich insbesondere auf die Migrationspolitik Italiens und der EU konzentriert. Bei Polis180 ist sie Mitglied des Programms „Migration“.

Agathe

Agathe Menetrier forscht an der HU Berlin zu Gender Mainstreaming in der Flüchtlingspolitik Westafrikas. Außerdem engagiert sie sich bei der NGO Asylos, die Anwältinnen von Asylsuchenden bei der Recherche nach Herkunftslandinformationen unterstützt. Zuvor studierte Sie Internationale Beziehungen und Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Menschenrechten und Migration in Paris und Berlin. Praktika und Feldforschung brachten sie nach Conakry und Dakar.

12

Regula Hess war für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie im Non Profit-Bereich tätig. Sie hat einen Master of Public Policy an der Hertie School of Governance und einen Bachelor in Internationalen Beziehungen in Genf und Boston abgeschlossen. Regula ist Vorstandsmitglied von foraus – Forum Außenpolitik, dem Schweizer Vorbild von Polis180.

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